Der Zivildienst

Als Wehrersatzdienst (nach Artikel 12a Abs. 2 des Grundgesetzes „Ersatzdienst“ genannt) bezeichnet man Dienste, die anstelle des Wehrdienstes zur Ableistung der Wehrpflicht geleistet werden können. Grundsätzlich ist der Wehrdienst die Normalform. Zwischen ihm und dem Zivildienst als Wehrersatzdienst besteht kein Wahlrecht, sehr wohl aber ein Recht auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen.

[Wikipedia]

Der Staat hat mich relativ spät zum Dienst an der Waffe haben wollen, lag großteils an der Ausbildung die damals angefangen hatte. Also verschob sich das Ganze erstmal um 3 Jahre, und als diese abgelaufen waren: kein Brief, kein Anruf, kein Einzug. Da ich gearbeitet hatte war das auch gut so. Als dann doch der Brief des Kreiswehrersatzamt eingetroffen ist, stand ich also vor der Wahl. War mir nicht sicher was der richtige Weg für mich ist, Wehrdienst oder Ersatzdienst. Beides hat meiner Meinung nach, Vor- und Nachteile. Aber die Tendenz zum Ersatzdienst war sehr stark, was sich letztendlich auch durgesetzt hat. Allein durch meine Lebensweise und Einstellung zum Militär. Und ich bereue keine Sekunde diese Entscheidung, welche verschiedene Gründe hatte.

Mein Zivildienst ist noch nicht mal zur Hälfte vorbei und ich kann jetzt schon mit Sicherheit sagen: Jeder sollte die 9 Monate seines Lebens zum Zivildienst nutzen! Besonders dann wenn man nicht im sozialen oder kulturellen Bereich arbeitet, wie es bei mir der Fall war. Der Grund für diese Aussage ist einfach: Erfahrung. Die Erfahrungen die man, gerade im sozialen Bereich, als Zivildienstleistender macht sind unglaublich interessant. Und mit ein wenig Verstand helfen sie einem sein eigenes Leben besser zu verstehen.

Mag sein dass sich das bei mir sehr stark zeigt, da ich für das Sozialamt Nürnberg arbeite und man hier schon oft mit Schicksalen konfrontiert wird. Aber auch von vielen Anderen hört man Ähnliches, was mich in meiner Annahme stärkt. Sicher gibt es auch einige Erfahrungen die nicht sehr angenehm sind, hatte auch schon einige, aber in der Retrospektive sind das wohl die Ausschlaggebendsten.
Reizen würden mich natürlich auch die Erfahrungen die man beim Militär macht, habe schon viel gehört und bin doch sehr neugierig geworden. Alles drin zwischen echter Kameradschaft und Laufen bis zum Halluzinieren. Das kann man natürlich vorher nicht abschätzen, bei beiden Wegen kann man auch sicher mächtig daneben greifen. Wie bei jeder Arbeitsstelle. Schätze aber, gerade im sozialen Bereich, ist die Wahrscheinlichkeit doch sehr hoch das man mit Kollegen zu tun hat die in Ordnung sind. Wie hoch ist schon die Quote an unsozialen Menschen die im sozialen Bereich arbeiten?

Zivildienstleistende stehen in vielen Einrichtungen sicher nicht an der unteren Stelle der Pyramide. Besonders wenn man sich gut engagiert und den Dienst nicht als 9 Monate verschwendete Zeit sieht, sondern als Gelegenheit Erfahrung zu sammeln die man sonst nicht bekommen würde. Bin gespannt was mir die restlichen Monate noch an Situationen entgegen werfen werden.